Fürst Igor
Vor vielen Jahren, als man durchaus noch nach Moskau fahren durfte ohne in irgendeinen Verdacht zu geraten, hatte ich das zweifelhafte Vergnügen auf der Bühne des Rossija (Hotel mit Theaterbühne) eine Aufführung der Oper „Fürst Igor“ zu erleben. Da ich kaum etwas verstanden hatte, habe ich mich damals im Hotel hingesetzt und meine persönlichen Eindrücke in nicht ernstzunehmender Weise aufgeschrieben.
Ich bitte um Nachsicht, falls ich irgendjemandes Gefühle oder gar die here Kunst beleidigt haben sollte 😇
Prolog :
Jahreshauptversammlung an der schlicht-rustikalen Residenz des positiven Haupthelden. Der Buschfunk meldet, dass irgendwo im Norden, Süden, Osten oder Westen irgendwelche Sarazenen, Mongolen, Tataren oder artverwandte Völkerstämme den fiesen Plan gefasst haben, die Wodkavorräte oder andere edle Teile des positiven Haupthelden zu vergesellschaften. Da dies natürlich nicht die feine englische Art ist, werden die Hackmesser geschliffen und mit Weihwasser besprenkelt. Danach wird kräftig einer gebrannt und alle anwesenden Frauen geküsst. Schlitzäugiger, ringbeohrter negativer Fiesling mimt einen auf Kumpel. Positiver Hauptheld schwingt sich auf seinen Gaul (echter lebendiger Klepper auf der Bühne) und beschließt die Sarazenen zu Gulasch oder tatarisches Reiterfleisch zu verarbeiten.
1.Akt:
Negativer Fiesling war clever genug zu Hause zu bleiben. Auf seiner Datsche feiert er seine eigene Klug- und des positiven Haupthelden Blödheit. Nachdem er ein riesiges Fress- und Saufgelage veranstaltet hat sowie die im unmittelbaren Einzugsbereich vorhandenen Frauen befriedigte, beschließt er seinen Wirkungsbereich zu erweitern.
2.Akt:
Negativer Fiesling versucht die arbeitsbedingte Abwesenheit des Positiven Haupthelden dahingehend zu nutzen, sexuelle Kontakte zur Angeehelichten des p.H. (positiver Hauptheld) aufzubauen. Außer der kalten Schulter bekommt er jedoch keine wesentlichen Teile zu sehen gar zu fassen. Er stürzt darüber in tiefe seelische Depression und ward fürderhin nicht mehr gesehen. Inzwischen stellt sich heraus, dass die Tataren offenbar die ausgereiftere Technologie der Hackfleischherstellung besitzen. Infolge dessen muss der p.H. für längere Zeit auf die Intensivstation der tatarischen Unfallchirurgie. Ein durch kriegerische Handlungen etwas leger gekleideter Bote überbringt diese Nachricht der treusorgenden Angeehelichten. Als nun noch die tatarischen Pyrotechniker ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für die ortsansässige Feuerwehr organisieren, wird es der Leidgeprüften zu viel, sie selbst (ca. 2 Zentner Lebendgewicht) wird von einer spontanen Bleichsucht befallen und infolge der Schwerkraft auf die Bretter befördert, die ja bekanntlich die Welt bedeuten. Es fällt jedoch nicht nur sie, sondern auch der Vorhang und somit ist erstmal Pause.
3.Akt:
Die Tatarischen Pyromanen können ohne zu mogeln ihrem Mogul 100prozentige Planerfüllung melden. Der bis dato in der Hütte des p.H. beschäftigte Damengesangsverein ist inzwischen, zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig, vertragsbrüchig geworden, hat die schlichten Russenkittel abgelegt, sich in der Edelboutique im Tatarenlook aufmotzen lassen und imitiert vor den Tipis (oder heißen die Dinger vielleicht doch Jurte?) wenn auch nicht den sterbenden Schwan, so doch ein Rudel heulender Wölfe. Nachdem eine sternklare, durch anthropogene Emissionen ungetrübte Nacht hereingebrochen ist, treffen sich vor den Tipis ein männlicher Mensch im Russenkittel und eine Vertreterin der Spezies „femina tatarum“. Dabei soll es sich wohl um den Sohn des p.H. und die Tochter des Obermackers der Tataren handeln .Danach müssten deren Väter aber das Greisenalter weit hinter sich gelassen haben). Beide fangen an unheimlich Süßholz zu raspeln. Das lehrt uns, dass selbst die schlimmsten Feind miteinander können, so sie nur wollen. Zufällig ist auch der p.H. anwesend und beklagt bitter die mangelhafte Ausbildung in der Tatarenbekämpfung die im das zweitklassige Schulsystem hat angedeihen lassen. Inzwischen bevölkert auch der Tatarenchef die Szene und versucht den p.H. zum Übertritt zum mongolischen Glauben zu bewegen Dieser kommt jenem jedoch frech, worauf jener diesem ein kunstvoll gebogenes Hackemesserchen zeigt. Um die Handlung nicht vorzeitig zu beenden und somit Gage einzubüßen, besinnt sich der Mongole eines Besseren und lässt die Rübe des p.H. auf dem von der Evolution dafür vorgesehenen Platz. Er beschließt stattdessen das intellektuelle Niveau seiner Überzeugungsarbeit zu senken und führt einen geselligen Nachmittag durch. Dabei treten haufenweise leichtbekleidete junge Damen auf (Hier ist von Vorteil, dass wir in der ersten Reihe sitzen). Aber auch die möglichen Aussichten auf die Freuden der Fleischeslust ändern nichts an der Standhaftigkeit des p.H. Ein kurzzeitig in finanzielle Schwierigkeiten geratener Tatare aus dem Fußvolk beschließt seine Liquidität dadurch wieder herzustellen, dass er dem p.H. ein Billet nach Moskau besorgt, Gesagt, getan!
4.Akt:
P.H. trifft wieder zu Hause ein, versucht seine Angetraute zu umarmen, was ihm jedoch ob deren Leibesfülle nicht ganz gelingt. Anschließend wird Gewerkschaftsgruppe einberufen und ein Prasdnik (Feier) organisiert. Die Oper endet wie sie begonnen hat, es wird fürchterlich einer gebrannt.
Hier noch zur Ehrenrettung die Ankündigung der Oper im Spielplan des Landestheaters Dessau (2018) :
Fürst Igor
Oper in einem Prolog und vier Akten
Musik und Libretto von Alexander Borodin
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Fürst Igor ist eine der in Russland beliebtesten Opern. Mit breiten Pinselstrichen entwarf Borodin ein starkfarbiges Panorama des mittelalterlichen Russlands, dessen Fürstenhäuser im Krieg mit den vermeintlich wilden Polowetzern liegen. Das Werk nutzt alle Mittel der romantischen großen Oper, um die verfeindeten Völker zu charakterisieren. Borodin stellt den heroischen Stil dem der Komödie gegenüber und setzt russischen Chorgesang den wilden Klängen der berühmten Polowetzer Tänze mit ihren orientalisierenden Melodien entgegen. Unzählige Jahre arbeitete Alexander Borodin an seiner Oper; er setzte immer wieder neu an, um sein Hauptwerk zu vollenden, doch bei seinem plötzlichen Tod auf einem Opernball lag die gigantische Partitur noch immer unvollendet auf seinem Schreibtisch. Zwei Freunde Borodins, beide brillante Meister der Komposition, gaben dem gigantischen Werk eine fertige Gestalt: Nikolai Rimski-Korsakow und Alexander Glasunow. Bei der Uraufführung am 23. Oktober 1890 war Fürst Igor am Petersburger Mariinski-Theater ein voller Erfolg, der das Werk in die Theater aller Welt trug.